Artikel des Mannheimer Morgen über die Gemeinsame Übung mit der Freiwilligen Feuerwehr Feudenheim und der Johanniter Unfall Hilfe auf dem City Airport.

Feuerwehr: Große Übung auf dem Flugplatz in künstlich verqualmten Gebäude

Menschenrettung realistisch trainiert

 

Von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge

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© Prosswitz  

Rauchvorhang anbringen (ganz links), Menschen über die Steckleiter retten, den Brand bekämpfen und Patienten vom Rettungsdienst versorgen – das alles wurde beim Vereinsheim der Segelflieger am Flugplatz geübt.       


Am Ende ist Ben der Held. Der Siebenjährige bekommt kräftig Beifall, drei Überraschungseier und darf in alle Fahrzeuge klettern. Denn er war, so lobt Einsatzleiter Thorsten Becker, „ein ganz toller Einweiser“ bei einer großen, in dieser Form ungewöhnlichen Übung auf dem Flugplatz, wo Ehrenamtliche von Freiwilliger Feuerwehr Feudenheim und Wallstadt sowie der Johanniter einen Gebäudebrand mit Menschenrettung trainierten.

Nur Ben kann nämlich den roten Autos entgegenrennen, die da mit Martinshorn auf das Gelände des Segelflugvereins einbiegen. Seine Mutter ist gestolpert und liegt im Gras, sein Vater und weitere Menschen stehen an den Fenstern eines verqualmten Gebäudes, schreien lautstark „Hilfe, Hilfe!“

Das wirkt alles sehr echt. Der Segelflugverein sei „unglaublich offenherzig und hilfsbereit“ gewesen, lobt Kristof Kopp, Ausbildungsleiter der Freiwilligen Feuerwehr Feudenheim, der die Übung mit vorbereitet hat. Dirk Walker aus dem Vorstand der Segelflieger, sonst auch als DJ tätig, hat sogar eigens zwei große Nebelmaschinen installiert, deren Rauch den Personen im Gebäude den Fluchtweg komplett abschnitt.

Einsätze und Ehrenamtliche

Die Feuerwehr Mannheim rückte im vergangenen Jahr zu rund 1413 Brandeinsätzen und zu 1897 technischen Hilfeleistungen aus. Dabei wurden 2014 genau 129 Menschen direkt aus Gefahren gerettet.

Die Berufsfeuerwehr besteht aus 277 Beamten im Einsatzdienst.

Drei Feuerwachen der Berufsfeuerwehr sind rund um die Uhr besetzt, nämlich die Wache Mitte (noch Lindenhof, bald Neubau in Neckarau), die Wache Nord (Käfertal) und die Wache Süd (Rheinau).

Dazu kommen die Gerätehäuser der acht Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr. Deren 299 ehrenamtlichen Mitglieder rücken regelmäßig zur Unterstützung der Berufsfeuerwehr aus. Eigentlich werden die Ehrenamtlichen vorwiegend nachts und am Wochenende alarmiert.

Dazu kommt aber der sogenannte „Gemarkungsalarm“. Wenn größere Einsätze anstehen, werden die Ehrenamtlichen der jeweils zuständigen Abteilung dazugezogen – auch damit sie Einsatzpraxis bekommen.

Die Stadt zahlt den Arbeitgebern dann den Lohnausfall. pwr                     

 

 

Hilfeschreie aus dem Fenster

Zunächst bringen zwei Feuerwehrleute die gestolperte Frau aus dem Gefahrenbereich. Dann bauen drei Männer schnell eine dreiteilige Steckleiter zusammen, lehnen sie an das Gebäude. Sie denken sogar daran, die Fenster, aus denen der Qualm quillt, mit Rauchvorhängen abzudichten, damit die geretteten nicht noch mehr von dem – im Ernstfall ja giftigen – Gas einatmen.

Schnell übergeben die Feuerwehrleute die zwei geretteten Männer den Ehrenamtlichen der Johanniter-Schnelleinsatzgruppe, die sie mit Sauerstoff versorgen – die Erstmaßnahme gegen Rauchgasvergiftung. Zugleich werden Schläuche ausgerollt, an Verteiler gekoppelt. Derweil öffnen andere Kameraden mit dem Beil eine Tür, bekämpfen das im Erdgeschoss – vermeintlich – lodernde Feuer per Strahlrohr, drücken mit einem großen Lüfter den Brandrauch ins Freie.

Aber noch drängen immer gellendere Hilfeschreie aus dem Gebäude, man kann sie sogar trotz der nebenan landenden Düsenflugzeuge hören. Denn auch im hinteren Teil des Hauses sind Leute vom Rauch eingeschlossen, die wild gestikulierend und rufend am Fenster stehen. Eine Frau simuliert gar eine Ohnmacht. „Die drehen durch“, ruft daher ein Feuerwehrmann.

Eigentlich wollte Einsatzleiter Thorsten Becker sie in dem Raum lassen, bis der Brand gelöscht, das Treppenhaus rauchfrei ist. „Sie sind in dem Bereich da nicht gefährdet“, so Becker. Aber auch im Ernstfall kann es vorkommen, dass alle Beruhigung nichts nützt, die Angst der Menschen steigt, sie einfach nur raus wollen. Also schleppen Feuerwehrleute auch hier eine Steckleiter hin. Dann wollen die Frauen aber doch nicht über die wackelige Leiter. Daher stülpen ihnen die Feuerwehrleute Fluchthauben über den Kopf, führen sie durch den – noch verqualmten – Treppenraum raus. „Wie viele kommen da noch?“, fragt dann Philip Bergmann, Leiter der Johanniter-Schnelleinsatzgruppe, der hier mit zwei Kollegen den Rettungsdienst mimt. Im Ernstfall hätte er längst mindestens drei weitere Rettungswagen anfordern müssen, um all die Menschen mit Rauchgasvergiftung zu versorgen. Und später stellt sich heraus, dass die „Verletzten“ etwas zu nah am Gebäude versorgt wurden, noch zu viel Qualm abbekommen hätten.

Material fehlt

„Es muss aber so sein, dass Kleinigkeiten nicht funktionieren. Man trainiert ja, dass man es im Ernstfall kann“, so Becker. So stellt sich auch heraus, dass auf einem vor eineinhalb Jahren ausgelieferten Fahrzeug, das der Einsatzleitung dient, noch nötiges Material fehlt. „Aber es war eine gute, realistische Übung“, so Enrico Starck, stellvertretender Kommandant der Abteilung Wallstadt. „Dass zwei Abteilungen so gut zusammenarbeiten, ist ja nicht zwingend“, bemerkt Feudenheims Kommandant Andreas Spatz dann noch sehr süffisant.

 

© Mannheimer Morgen, Donnerstag, 28.05.2015

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