Bei der Feuerwehr sitzt der Frust tief

"Im Doppelhaushalt 2012/2013 sind wieder keine Planungskosten für unsere Erweiterung veranschlagt worden", bedauerte Starck. Er fürchtet, dass die Wallstadter wegen des drängenden Neubaus der Wache Mitte "nun nicht berücksichtigt werden". Karlheinz Gremm, der stellvertretende Kommandant der Mannheimer Feuerwehr, versicherte aber in seinem Grußwort "dass Wallstadt ganz oben auf der Prioritätenliste steht" und bedankte sich für das Engagement der Ehrenamtlichen.

Die 36 Mitglieder, darunter zwei Frauen, waren im vergangenen Jahr bei neun Einsätzen zur Unterstützung der Berufsfeuerwehr alarmiert worden – darunter bei vier Bränden, einem Unfall und einer technischen Hilfeleistung. 187 ehrenamtlich geleistete Stunden entfielen daher auf Einsätze – unterwegs waren die Wallstadter Feuerwehrleute freilich viel öfter. Enrico Starck listete in seinem Jahresbericht insgesamt 5407 Stunden, darunter 1845 Stunden für Übungen an Samstagen und sonst abends unter der Woche, auf. 722 Stunden entfielen auf Sicherheitswachen bei Veranstaltungen, 650 auf Arbeit an Gerät und im Gerätehaus sowie 288 auf die Betreuung der Jugendfeuerwehr. Wichtig sei schließlich die Präsenz beim Neujahrsempfang oder beim Fasnachtsumzug in Feudenheim.

Aktive Jugend

Zudem sehe sich die Feuerwehr als wichtige Stütze des Vereinslebens in Wallstadt, etwa durch starke Mitarbeit bei der Kerwe, der Aufstellung des Weihnachtsbaums, der Unterstützung der Interessengemeinschaft, der "Gowe" und des Motorsportclubs.

Bei einem internen Projekt suchte man zudem nach Ideen für ein stärkeres kameradschaftliches Miteinander. Schließlich müsse es gelingen, Verantwortung für die Gemeinschaft und den Spaßfaktor in der Waage zu halten, um für neue Mitglieder attraktiv zu sein. Immerhin sei es 2011 gelungen, zwei neue Mitglieder anzuwerben. "Zwei Jugendliche sind zum Grundlehrgang gemeldet und treten in die aktive Mannschaft über", konnte Jugendfeuerwehrwart Jonas Winkler melden. Er betreut derzeit zehn Jugendliche sowie acht Schüler, die als Teil eines Projekts der Geschwister-Scholl-Realschule "erfahren, was es bedeutet, soziales Engagement bei der Feuerwehr zu beweisen", so Winkler. Zur Förderung der Motivation habe man an einem Zeltlager, einer 24-Stunden-Übung und erfolgreich an Wettbewerben teilgenommen, ferner wetterfeste Jacken für die Jugendlichen beschafft.

Unter dem Stichwort "Motivation" richteten die Mitglieder aber viele kritische Worte in Richtung Stadtverwaltung. So forderten sie, dass ihre Abteilung auch künftig mit drei Löschfahrzeugen ausgestattet wird, "Ein Fahrzeug, Baujahr 1983, wurde Ende März ausgemustert, eines mit Baujahr 1984 hat noch ein halbes Jahr TÜV", mahnte Starck. Schließlich brauche das 1969 gebaute Gerätehaus dringend eine "Ertüchtigung". Wenigstens 15 000 Euro aus dem laufenden Haushalt seien dafür erforderlich, etwa eine Abgasabsaugung in der Fahrzeughalle und für 30 Jahre alte, defekte Toiletten: "Wir machen dann schon viele Arbeiten in Eigenregie".

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 18.04.2012

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